Russische Tage

Eben habe ich noch Doktor Schiwago im Fernsehen beobachtet, wie er episch durch den meterhohen Schnee der russischen Taiga stapft. Tja, Festtagsprogramm. Sowas konnte ich mir während der grünen Weihnachten nicht vorstellen. Und jetzt? Watteweiche Ruhe hat sich mit einem weissen Laken über die Landschaft gelegt, lautlos gleitet ein Wassertropfen einem Eiszapfen an der Dachrinne entlang, still kauert der Kolkrabe im überzuckerten Geäst. Minus 12 Grad. Tja, Doktor Schiwago, dazu muss ich nicht nach Sibirien reisen. Und so friedlich darf die Winterlandschaft bleiben. Bis eine fröhliche Kinderschar eine Schneeballschlacht entfesselt, bis sich endlich das Drahtseil des Skilifts aufwärts bewegt, bis der Schneepflug knirschend den Weg freiräumt – zur Piste, zur Loipe, zum Schlittenweg und zum Wanderweg. Und so lebendig darf es nun ebenfalls bleiben. Also nichts wie raus – die Fernbedienung meines Fernsehers ist vorhin ohnehin kaputtgegangen. Sorry, Doktor Schiwago, ich stapfe jetzt lieber selbst umher.

 

 

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