Eskimo entdeckt Oberland

Kunvaktok staunte nicht schlecht, als er das Iglu betrat. Er gehörte zum Stamm der Kalaallit, einer grossen Inuit-Familie aus Grönland, aber diese eisige Konstruktion hier kam ihm fremd und zugleich vertraut vor. Die Schneekuppel schien deutlich grösser als die arktischen Exemplare und verzweigte sich in verschiedene Kammern und Gänge. Das mussten Tausende Kubikmeter sein, die hier verbaut worden waren. Die Felle auf den Sitzplätzen erinnerten ihn an zu Hause, aber der Rest? Kerzen und Laternen erhellten das gewaltige Gewölbe im Innenraum, fremdartige Ornamente und Reliefs zierten die Wände, Eis-Skulpturen schmückten reich gedeckte Tische, und auf diesen dampfte eine gelbliche Masse in einem Topf über kleiner Flamme. Der Grönländer schnupperte – das roch weder nach Robbentran noch nach Narwal-Leber. Aber trotzdem irgendwie verlockend. Kunvaktok griff nach einem stählernen Gegenstand, der wie eine kleine Harpune aussah, und spiesste damit einen kleinen, weichen Würfel neben dem geheimnisvollen Brei auf. „Angiyok!“, rief er nach dem ersten Bissen aus – was in der Sprache der Inuit für „super“ steht …

Zugegeben, Kunvaktok hat das Fondue-Iglu auf der Engstligenalp in Wirklichkeit noch nicht besucht. Aber wenn er es täte, dürfte er ruhig sein Handy zücken, um seinen anderen 199 Kalaallit-Kumpels Bescheid zu geben. Denn so viele Sitzplätze stehen hier zur Verfügung.

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