Elektrisierende Erlebnisse

Eine Hass-Liebe verbindet mich mit dem guten alten Viehhüter. Marschiere ich an einem vorbei, kann ich es nicht lassen, kurz die Spannung am Elektrozaun zu prüfen. Natürlich halte ich dafür nicht direkt meine Hand darauf, sondern einen trockenen Gras- oder Strohhalm. So lässt sich der Stromschlag deutlich abschwächen.

Das geht auch anders. Als Kind zog ich den Draht eines Viehhüters einmal clever bis zu unserer Haustüre weiter, um ungebetene Gäste abzuschrecken (ein batteriebetriebenes Gerät kann bis zu 25 km Weideumfang unter Spannung setzen). Die Opfer meines Streichs liessen allerdings auf sich warten. Stattdessen suchte der Bauer stundenlang dem plötzlich defekten Zaun entlang nach der Fehlerquelle – bis er meine innovative Abzweigung entdeckte. Der Landwirt war gar nicht erfreut und wütete dafür mit der Sense im Kräutergarten meiner Mutter. Eigentlich auch etwas kindisch.

Item, der Viehhüter liess mich auch in der Folge nicht los. Beim Unterqueren versetzte er mir mehrfach schmerzhafte Stromschläge in den Rücken. Dafür war ich wiederum dankbar, als ich später einmal wegen einer Kuh in vollem Galopp hinter ihn flüchten konnte. Was mich gleich zum Fazit meines Tagebuch-Eintrags bringt: Es gibt viel Hochspannendes und Schützenswertes im Oberland. Die Frage, wer vor wem geschützt werden sollte und wo der Zaun vielleicht besser defekt bliebe, beantworte ich dann ein anderes Mal.

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