Ein Brett ist Geschichte

Es gibt beim Snowboarden Situationen, da kann einem kein Kantenfehler mehr unterlaufen. Weil da gar keine Kante mehr ist. Es gibt auf der Piste Momente, da können selbst grobe Kiesel keine Kratzer mehr in den Belag ritzen. Weil da gar kein Belag mehr ist. Und Bodenhaftung ist ja was Schönes, aber zumindest etwas gleiten sollte ein Brett dann trotzdem noch. Bei mir Fehlanzeige.

Es war also wieder einmal Zeit für mich, mein uraltes Snowboard in den Service zu geben (das hätte ich natürlich schon vor dem Saisonstart erledigen sollen, aber item). Im Geschäft traf ich auf einen Mitarbeiter, der wie ich ein Erzfeind der Wegwerfgesellschaft ist. Wir verglichen stolz unsere verstaubten Handys, die explodieren, wenn man mit ihnen ins Internet will. Und der Ski-Experte rühmte eben auch meinen Willen, mit demselben Material über Jahrzehnte auf die Piste zu gehen. Bis er mein Brett in die Hand nahm. Stirnrunzeln.

Unmöglich: Da könne selbst er nichts mehr machen, keinen neuen Belag mehr aufbauen. Es tue ihm sehr leid. Ich war überrumpelt, ratlos, konsterniert. Ich hatte zu lange gewartet. Das Brett war klinisch tot. Zum Trost und zum Glück bot mir der Service-Mann dafür dann ein ordentliches Occasion-Board an. Ich griff nach kurzem Zögern dankbar zu. Bei diesem gebrauchten Gerät würde mich der erste Kratzer im Belag deutlich weniger schmerzen als bei einem neuen. Weil es nicht der erste wäre.

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