Zwiespältige Funken-Freude

Ah, der Winter, wo einen das Cheminée wärmt! Es ist schön, bei Hudelwetter auf einen wärmenden Rückhalt in der guten Stube zählen zu können. Das dachte ich vorletzte Woche, als ich nach dem Skitag die Scheite im Ferienchalet stapelte. Das dachte ich letzte Woche, als ich die neue Wohnung eines Freundes besichtigte – mit Feuerstelle natürlich. Und das dachte ich auch heute, als ich meine Finger in der Jackentasche vergrub. Doch es sind Gedanken mit Vorbehalt.

Denn es braucht auch einen Rückhalt für den Rückhalt. Wenn es für einmal zu heiss wird in der kalten Jahreszeit. Wenn der Funke etwas zu weit überspringt. Diese Rückversicherung nennt sich Feuerwehr. Und die hat viel zu tun diese Tage. Alleine 2017 rückte etwa die Feuerwehr Frutigen 96-mal aus. Und im neuen Jahr sind es bereits wieder 17 Einsätze. Sind wir denn so unvorsichtig am Cheminée?

Natürlich nicht: Die meisten dieser aktuellen Fälle sind weniger feurig. Im Januar mussten die Blaulichtler etwa wegen Sturmschäden ausrücken, wegen Erdrutsche und umgestürzter Bäume. Es gab allerdings auch bereits wieder Kaminbrände und irregeleitete Rauchmelder. In diesem Sinne bin ich zwar vorsichtig, wenn ich die Späne über der zerknüllten Zeitung schichte, aber auch beruhigt. Denn es gibt einen Rückhalt für den Rückhalt, und der hat viel Routine.

Rennen beidseits des Ozeans

Ach, was schwappt nicht alles von Übersee zu uns hinüber, bis ganz nach hinten ins Engstligtal. Ich darf mich ja nicht beschweren. Der Austausch über den Atlantik hat mir schon viel Stoff für Blogposts beschert. Es begann mit dem amerikanischen Hickory-Holz für die ersten professionellen Ski im Tal, es setzte sich fort mit 600 notgelandeten US-Fliegern, die im Zweiten Weltkrieg in Adelboden strandeten. In letzter Zeit gab etwa der Besuch von US-Botschafterin Suzi LeVine Anlass zum Bloggen oder auch der «Adelboden Second»-Videoclip, in Anlehnung an Trumps «America First»-Slogan.
Es gibt aber auch Menschen, die den umgekehrten Weg beschreiten, so wie der Frutiger Autorennfahrer Simon Trummer. Der 28-Jährige hat beschlossen, der Langstrecken-Weltmeisterschaft den Rücken zu kehren und neu in den USA zu fahren. Warum das? «Dort erlebt man noch richtigen Rennsport», sagt Trummer in einem Interview mit der «Jungfrau Zeitung». Er schätze die «open spaces» und «open minds» drüben. Sport sei in den Staaten Religion, «in der Schweiz wird dies nicht so angesehen».
Nun liebäugelt Trummer sogar mit einer Auswanderung ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Statt immer zu importieren hätten wir so einen wichtigen Export am Start. Immerhin hat der Frutiger im Interview auch erzählt, er fahre gerne in Adelboden Ski. Für diese Art Rennen dürfte er wohl immer wieder gerne nach Hause kommen.

Es gibt immer einen Grund zum Abheben

Nach Weihnachten, Silvester und dem Weltcup ist den Oberländern nicht mehr nach Festen zumute? Aber mitnichten! Ein Blick auf den Kalender verrät, dass sich am 10. Januar eine unglaubliche Menge an Feiertagen konzentriert. Sie mögen ihren Ursprung nicht in der Region haben, sind aber trotzdem genau auf das Engstligtal zugeschnitten:

  • Der 10. Januar gilt etwa als Spar-Energiekosten-Tag. Der fügt sich wunderbar in ein Tal, das über ein derart grosses Potenzial an Wasser- und Solarenergie verfügt.
  • Der 10. Januar wird auch als Tag der Zartbitterschokolade gefeiert. Auch das passt ins Gemeindebild: Wer der Adelbodner Dorfstrasse entlang flaniert, findet genügend süsse Gründe, an diesem Datum anzureisen.
  • Und schliesslich findet am 10. Januar auch der Rettet-die-Adler-Tag statt. Ideal: Erst letzte Woche wurde in Frutigen ein Adlerweibchen ausgewildert. Und mit Chrigel Maurer haben wir ja noch ein weiteres putzmunteres Exemplar am Himmel.

An alle also, die in den nächsten Tagen etwas abspecken wollten: Sorry, aber das Feiern geht weiter.