Der rosa Wohltäter

Das Vogellisi hat im Herbst sicher gerne wilden Thymian geerntet. Es heisst ja, der «Mùttächölm» entfalte dann erst seine wahre Wirkung. Und die wusste die Kräuterfrau sicher zu nutzen. Auch heute können Wanderer vielfach von dieser Heilpflanze profitieren – wer schwitzend bis in die frischen Herbstabende hinein wandert, holt sich leicht eine Erkältung. «Mùttächölm» aber lindert deren Symptome perfekt: Die Blätter und Blüten helfen bei Husten, Schnupfen, Halsschmerzen und Bronchitis, denn sie wirken anregend, antibakteriell, blutstillend, schleimlösend sowie schweisstreibend.

Für die müden Waden eignet sich Thymian ebenfalls – er ist eine beliebte Zutat von Sportsalben. Wer nach der Wanderung und der Erholungsphase schliesslich noch ein Date plant, kann dem würzigen Tausendsassa zudem auch blind vertrauen: Mundspülungen enthalten oft Thymian. Und apropos Ausgang: «Mùttächölm» macht nicht nur in der heimischen Küche eine würzige Figur, sondern auch in Spitzenrestaurants. Wo und wie das Kraut überall im Engstligtal eingesetzt wird, zeigt ab dem 8. September die Event-Reihe «Adelboden à la carte». Einmassiert, inhaliert, gegurgelt oder verkostet: Egal, wie man ihn anwendet, Thymian bleibt ein wahrer Wohltäter.

Ich danke dir, Waldemar Fink!

Wenn ich nicht gerade schreibe, versuche ich mich manchmal auch als Maler. Mit Ölfarben und so. Und mit eher mageren Resultaten. Denn da die meiste Zeit fürs Schreiben draufgeht, droht die bildnerische Leidenschaft zu verkümmern. Es bleiben Museumsbesuche und Vorbilder – die Impressionisten und Symbolisten der Belle Epoque haben es mir dabei besonders angetan.

Monet, Hodler, Segantini & Co. kennt ja jeder. Aber was ist mit Waldemar Fink? Der 1883 in Bern geborene Künstler war zwischen 1909 und 1922 in Adelboden tätig und hat die Landschaft in vielen seiner Werke festgehalten. Grosser Lohner, Stiegelschwand, Bondertal – die stimmungsvollen, mystischen Ansichten bestechen durch klare Farben und clevere Lichtspiele.

Seine Bilder stellte Fink unter anderem in München aus. Und auch moderne Auktionshäuser rühmen, er habe «die dunkeltonigen Werke der Vorkriegszeit um eine helle Palette und reife Kontraste bereichert». Wer eines von Waldemars Gemälden ersteigern will, muss dafür halt schon Beträge im fünfstelligen Bereich hinblättern. Das ist mir zwar zu teuer – aber als Inspiration dient mir das Genie des Altmeisters allemal. Also her mit dem Pinsel!

„Bergführer aus Leidenschaft“ – dr Vogellisichopf vam ugstä

Im Dezember Skilehrer, Reiseführer in Patagonien im Januar. Februar und März auf Skitouren. Im Mai Bergführer in den umliegenden Alpen. Anfangs Juni Ausbildner und den Rest des Sommers Wander-, Kletter- und Bergführer. Oktober und November Leiter von Expeditionen nach Nepal oder Kapverden. Dazwischen rekognoszieren und organisieren bevorstehender Reisen. So ungefähr sieht ein Jahresverlauf von Peter Schmid aus – Bergführer als „Fulltime-Job“.

Der gelernte Elektriker widmet sich seit 1977 vollumfänglich dem Beruf als selbstständiger Bergführer, wobei dies für Peter Schmid ein weiter Begriff ist. Wandern, Klettern, Bergsteigen, Skitouren, Skibegleitungen, Skiunterricht, Trekkings, Expeditionen oder Reisen in ferne Länder –  sein Angebot ist gross. Zusammen mit seiner Frau Elisabeth führt er das Unternehmen „International Mountaineering“.

Es ist seine Leidenschaft – sein Traumberuf. Eine Möglichkeit die gesamte Welt sehen zu können. Peter Schmid strotzt nur so von Abenteuerlust und ist noch lange nicht müde. Er erzählt von seiner ersten Erklimmung des Mt. McKinley als Bergführer oder seiner „schwierigsten“ Besteigung – dem Alpamayo in Peru. Nicht fehlen darf der Shishapangma mit einer Höhe von 8046 M.ü.M im Himalaya. Nicht minder leidenschaftlich berichtet er von seinen Expeditionen in Island, Kenia oder den Nordlichtern in Norwegen. Auf allen 4000-er der Alpen war er und bis auf Ozeanien, mehrmals auf jedem Kontinent.

Alpamayo, Peru

Alpamayo, Peru

Und doch, seine Heimat ist Adelboden. Unzählige Male war er auf dem Wildstrubel, jeden Winter verbringt er als Skilehrer auf den Pisten der Skiregion. Adelboden – sein Rückzugsort.

„Muesch chönä verzichtä u wes passt – muesch zueschlaa“ (Man muss verzichten können und wenn`s passt – muss man zuschlagen), antwortet er auf die Frage, wie er auf die Gefahren am Berg eingeht. Seine Entscheidungen kann er vertreten, die anderer Personen am Berg jedoch nicht. So ist nicht etwa die Natur die grösste Gefahr, sondern wir Menschen und unsere individuellen Entscheidungen.

 

Peter Schmid – Bergführer aus Leidenschaft, familienmensch und vielseitig.

 

Einige Fragen zum Schluss:

Kochen oder Essen?

„Essen – ich bin nicht der Kocher“

 

Strubel oder Lohner?

„Lohner – er ist technisch schwieriger, zudem ist der Strubel über die Jahre hinweg gefährlicher geworden“

 

Winter oder Sommersaison?

„Beruflich gesehen der Winter, der Sommer ist hektischer – Privat eher der Sommer“

 

Kapverden oder Kilimandscharo?

„Kilimandscharo –  in mir steckt nach wie vor Bergsteiger-Feuer“

 

 

 

 

Wie giftig ist die Tastatur?

Bis zum 19. August kann man sich noch fürs «Digital Detox Camp» in Adelboden bewerben. Hm. 4 Tage entgiften ohne Internet & Co. – kribbelt es da in meiner Hand? Einerseits nein: Mein uraltes Handy schreibt in Keilschrift und explodiert, wenn ich damit ins Netz will. Ich scheine also nicht suchtgefährdet zu sein. Andererseits ja: Bin ich nicht gerade dabei, den Nachmittag mit einem Social-Media-Auftritt zu bestreiten? Arbeite ich nicht die meiste Zeit vor dem Bildschirm? Das schreit doch einfach nach einer Auszeit im Grünen. Dann wieder nein: Gerade hatte ich doch eine Woche Ferien in der Natur, ohne in dieser Zeit nur einmal meine Mails zu checken. Ich komme analog also bestens klar. Dann wieder ja: Habe ich in dieser Zeit nicht neidisch auf jeden Bildschirm im Blickfeld geschielt? Und Smartphone-Besitzer mit Fragen gelöchert? Nun aber nein: Ich besitze ja nicht einmal ein Tablet, das ich fürs Camp weglegen müsste. Oder schliesslich doch ja? Fernseher sind heutzutage halt ebenfalls so smart wie interaktiv, und ohne TV halte ich’s nicht lange aus.

Ich weiss nicht, wie es anderen Interessenten geht. Bei mir endet dieser Vergleich irgendwie unentschieden. Da ich in dieser Angelegenheit als Vogellisi-Blogger jedoch ohnehin befangen bin, ziehe ich meine Kandidatur fürs «Detox-Camp» hiermit zurück. Mögen würdigere Teilnehmer mit klarerer Absicht die reinigenden Stunden auf der Alp geniessen: Ich schreibe dann vielleicht  einen neidischen Post darüber – hoffentlich nicht allzu giftig.