Das Festival am Ende der Welt

Zähle doch einmal alle Festivals der Schweiz auf, die Du kennst. Ich bin mir sicher, dass da alle grossen Namen wie Gampel, Frauenfeld, St.Gallen, Greenfield, Gurten usw. fallen. Doch ein kleines Festival wird wohl nicht so oft aufgezählt. Von welchem ist wohl hier die Rede?

Klein aber oho! So würde ich das Vogellisifestival in Adelboden bezeichnen. Das zweitägige Festival am schönsten Ende der Welt, oder auch im Unter dem Birg nahe dem spektakulären Wasserfall, zieht jeweils mehr als 2‘200 Besucher ins schöne Berner Oberland. Gute Musik, gut gelaunte Leute und eine ausgelassene Stimmung, mehr ist nicht nötig um ein gelungenes Fest zu feiern. Und Feste feiern, das können die Oberländer, soviel ist klar!

Obwohl dieses Jahr bereits die 10. Ausgabe vom Vogellisi stattfindet (alle zwei Jahre 2001-2007; 2013; 2015), ist es mir bis lange nicht gelungen, einmal dabei zu sein. Schande! Umso mehr freue ich mich darauf, wie ich mich noch selten auf etwas gefreut habe. Endlich kann ich dabei sein, wenn im heimeligen Engstligtal vor imposanter Kulisse die Fetzen fliegen. Einen Eindruck kannst auch Du Dir verschaffen. Unter http://www.vogellisifestival.ch findest Du alles von News über Tickets bis zur Geschichte des Festivals. Und das diesjährige Line Up lässt sich definitiv sehen! Neben Hecht, Lovebugs und Züri West werden weitere tolle Acts die Bühne dem Publikum so richtig einheizen.

Ich werde dabei sein, und später über das Festival berichten. Jedoch wäre es schade, nur darüber zu lesen! Viel besser wäre, Du sicherst Dir jetzt Dein Ticket und bist am 7. und 8. Juli live dabei, am Festival am Ende der Welt. Wir sehen uns dort! Cheers!

 


 

 

 

Sommer on the rocks

Was habe ich die letzten Tage geschwitzt wegen der Hitze! Da hilft nur Eis. Blöd nur, wenn der Vorrat an gefrorenen Wasserwürfeln alle ist – und das gilt nicht nur fürs Gefrierfach.
Heute lese ich in der Zeitung, noch nie sei auf dem Wildstrubel um diese Jahreszeit so wenig Schnee gelegen wie 2017. Das gibt zu denken. Die letzten beiden Male, wo ich diesen Gipfel bestieg – einmal mit Steigeisen, einmal mit Schneeschuhen –, lag jedenfalls nicht wenig der weissen Pracht. Aber das ist auch schon eine Weile her.
Auch sonst hat sich die Eisdecke im Lohnerdorf ausgedünnt: 5 Spieler haben gerade das Kader des EHC Adelboden verlassen.
Und die Schmelze geht weiter. Drittens ist nämlich auch Marc Furrer, seines Zeichens Präsident von Swiss Ice Hockey, letzte Woche zurückgetreten. Immerhin besitzt der Solothurner meines Wissens noch eine Ferienwohnung in unserer Destination. Damit dürfte er dem Eis trotzdem noch die Treue halten. Swiss-Ice-Hockey-CEO Florian Kohler twitterte immerhin zu Furrers Abschied: «Danke für vier Jahre Zusammenarbeit, Marc. Bald darfst du hemmungslos den EHC-Adelboden-Schal tragen.» Gut gesagt. Bei diesen Temperaturen würde ich damit allerdings noch eine Weile warten …

Perfektion trifft Leidenschaft – dr Vogellisichopf vam Brachet

 

Freitagmorgen. Es riecht nach Kaffee und der Duft nach frischem Brot liegt in der Luft. Es geht ruhig zu und her an diesem Morgen in der Bäckerei Haueter. Hier trifft der Vogellisi Blog ein weiteres kreatives Gesicht, welches Adelboden und das Dorfbild prägt – Susan Haueter,

Als ich „den Haueter“ betrete, steht Susan gerade hinter der Kaffeemaschine – die neuste Anschaffung im Hause Haueter – und tüftelt mit Mitarbeiterinnen am perfekten Milchschäumchen. Ich schaue mich um, Kreativität in jeder Ecke und die Handschrift der Geschäftsführerin lässt sich in der ganzen Bäckerei und im Café lesen. Doch woher die Ideen? „Ich schaue mich jeweils nach Schaufenstern von Floristen um, bin sehr gerne in Innendekorationsgeschäften oder entdecke im Ausland neue Gerichte, Speisen und Dekorationen – das inspiriert sehr“.


Die Herzensangelegenheit von Susan ist aber das Brot. Wer hier nach dem klassischen „Pfünderli“ sucht, wird dieses nur am Rande finden, denn bei Haueters ist das Slow Bread Trumpf. Slow Bread als Trend in der schnelllebigen Foodszene? „Nein“, wiederlegt Susan, „mit dem Handwerk der langen Teigführung kehren wir zum Ursprünglichen zurück, es entspricht eigentlich der traditionellen Herstellung von Brot“. Das Brot ist es dann auch, welches Susan mir empfiehlt, auf die Frage, welches Produkt man in der Bäckerei Haueter unbedingt probieren muss. „Wir wollen unseren Kunden ein Geschmackserlebnis bieten – sie sollen das ursprüngliche Brot kennenlernen“.

Und dass das Slow Bread ankommt, bestätigt sich jeweils auch durch regelmässige Brotbestellungen, welche schweizweit per Post verschickt werden. Oder an den Reaktionen der Kunden. „Slow Bread ist dank der langen Teigführung sehr verträglich, da sich die Glutenstruktur verändert und problematische Bestanteile bis zum Backen bereits abgebaut sind. Hinzu kommt: wenn Teige länger ruhen, können sich mehr Aromen entfalten“.

Die Bäckerei ist über die Gemeindegrenzen hinaus bekannt. Das verdankt sie vielen 2. Wohnungsbesitzern, aber auch der Präsenz am Brotmärit und den Slow Food Markets in Bern und Zürich, an welchen Susan ein paar Mal jährlich einen Stand betreut. Dabei gehe es nicht primär darum „unäus“ präsent zu sein, sondern ein breiteres Publikum für unsere Mentalität zu begeistern und die Leute für gutes, handgemachtes Brot zu sensibilisieren“.

Wie viel Liebe und Zeit die Brote brauchen, erklärt mir Susan am neu kreierten Weizensauerteig-Brot, welches ganz ohne Hefe auskommt; dieser wird einmal pro Tag aus dem Kühlschrank genommen, gefüttert, wiederum kaltgestellt und so weiter und so fort…kaum auszudenken, wie viel Arbeit hinter dem Laib Brot, welches wir im Regal vor uns haben, steckt.

Nebst viel Liebe und Passion für das Handwerk leben die Haueter vor allem eines: Perfektion und Veränderung. „Den Haueter gibt es seit 31 Jahren – Stillstand gibt es nicht, wir wollen immer wieder etwas Neues ausprobieren, probieren uns stets zu verbessern“. Die Kreativität von Susan ergänzt sich optimal mit ihrer Schwiegermutter Yvonne. „Sie hat oft neue Vorschläge und sieht jeder Cremeschnitte sofort an, ob sie luftig genug ist – ich bin sehr ambitioniert, so vereinbaren wir Innovation und Perfektion in einem Guss“.

Dass die Bäckerei Haueter sehr innovativ ist, macht sich nebst dem Slow Bread auch in der Produkteauswahl bemerkbar. So findet man beispielsweise Chiasamen und glutenfreie Produkte. Diese Innovationen seien jedoch schwierig an die Kunden zu bringen und benötigen schon viel Aufklärungsarbeit, was im Winter – mit einem etwas urbanerem Publikum – sicher einfacher sei. Die gelernte Köchin hat es noch nie bereut, eine Bäckerei zu führen. „Die Tage sind zwar kraftraubend, vergehen aber im Flug und ich liebe den Kundenkontakt. Was man leider von aussen nicht wahrnimmt sind die vielen Stunden, welche ich im Büro verbringe“.

 

Und wenn wir schon bei den Innovationen sind – mit was darf im Haueter als nächstes gerechnet werden?

„Gerade bekamen wir unsere neue Kaffeemaschine und in Adelboden werden jetzt Baristas ausgebildet, als nächstes hätten wir gerne einen Backofen im Laden, damit wir unsere Produktion noch näher an den Kunden bringen können“. Dies sei aber noch nicht spruchreif, meint Susan lächelnd.

 

Man kann die Passion ihren funkelnden Augen ablesen und bin mir sicher: Perfektion trifft Leidenschaft – das sind wohl die treffendsten Worte, um unseren Vogellisichopf vom Juni zu beschreiben. Vielen Dank für den Einblick in deinen Alltag, welchen Adelboden sehr bereichert!

 

Wir bleiben rustikal

Ich miete seit Jahren zusammen mit einigen Kollegen dieselbe Alphütte. Einige davon sehe ich eigentlich nur an diesem einen Wochenende. Dementsprechend viel wird geplaudert. Viele Alternativen dazu gibts dort ja nicht: Das Massenlager bietet nur wenig Privatsphäre. Im Schein der Petrollampen ist Lesen kein Vergnügen. Im Badezimmer verbarrikadieren ist unmöglich: Es gibt keine Dusche, nur ein Plumpsklo. Das Handy kann auch nicht lange beansprucht werden: Es gibt keinen Strom zum Laden. Also wird geplaudert und Holz gehackt – sonst kann man ja nicht einmal kochen.

Das Erstaunliche ist, wie wenig einen dieser Mangel an Komfort stört. Im Gegenteil, es ist ein wohltuendes Gegengewicht zum alltäglichen Luxus. Doch nun wurde uns mitgeteilt, dass die Alphütte dieses Jahr totalsaniert wird – es kommen Dusche, Strom, Heizung, Licht und WC-Spülung. Was nun? Einerseits würde es mich freuen, nicht mehr den grossen Petrolkanister oder den Schürhaken schwingen zu müssen. Andererseits fällt für mich ein grosser Teil des Charmes dieser Unterkunft weg, wenn er sich im Standard meinen sonstigen Zuhause annähert. Was solls, auf der Webseite von Adelboden Tourismus gibt es unter der Rubrik Unterkunft/Alphütten ja noch genügend Alternativen. Ich hätte da bereits einige Favoriten.

Lauf, Lisi, lauf!

Ach, Bergrennen sind eigentlich nicht so meins. Aber wahrscheinlich ist es der pure Neid, der mich als Wanderer umtreibt. Da wollte ich zum Beispiel kürzlich in vier Stunden den Niesen besteigen und hielt das für sportlich. Auf halber Strecke im Vorderen Ahorni überholte mich dann eine gleissende Lichtgestalt in Radlerhosen und mit Trinkflasche am Gürtel. Im Laufschritt. Noch während ich mich an der Bergflanke weiter abquälte, kam mir der Jogger bereits wieder im Abstieg entgegen. Immer noch ohne gross zu schnaufen.

Und damit sind wir beim Grund, warum ich heute blogge: Im April hatte ich vollmundig von den vielen Vogellisi-Auftritten in diesem Jahr geschwärmt (neues Buch, neues Theater, neue Konzerte). Und dabei ganz den 14. Vogellisi-Berglauf vom 16. Juli vergessen. Und da sind wir wieder beim Thema. Der neue OK-Präsident des Laufs, Jonathan Schmid, ist nämlich selber auch so ein Senkrechtstarter am Hang. Der Adelbodner gewann das Vertical-up über die Lauberhorn-Abfahrtsstrecke. Ist Schweizermeister. Hat soeben am 13. Blüemlisalp-Lauf mit grossem Vorsprung gesiegt. Und kämpft beim kommenden Vogellisi-Lauf ebenfalls um den Titel.

Ach, Bergläufe sind eigentlich nicht so meins. Aber wenn ich solche Leistungen sehe, beschleunigt sich mein Wandertempo im Engstligtal unwillkürlich. Wird es irgendwann im Laufschritt enden?