Wenn nichts los ist ausser dem Wetter

Bekanntlich startet in Adelboden ja bald die Zwischensaison. Schon nach dem vermeintlichen Saisonende ist das im Winter so zahlreich besuchte Dorf, zu einem kleinen Geisterdorf geworden. Doch was machen, wenn nichts mehr läuft?

Zum einen ist es ja noch bis Anfang Mai möglich, das unglaublich schöne Frühlingsskifahren auf der Engstligenalp zu geniessen. Und falls man den Ski Anzug schon weit weit weg gepackt hat, lohnt es sich auch so, die Sonne auf dem Hochplateau zu geniessen (bitte aber das Eincremen nicht vergessen, liebe Leute).

Zum anderen bietet uns auch das Wetter in diesem Jahr einige spektakuläre Saltos und Pirouetten. Ist es nicht wunderbar zu beobachten, dass Blumen spriessen, sich dann wieder Schnee darüber legt, trotz Sonnenschein herrschen eisige Temperaturen. Das Wetter hat jeden Morgen eine Überraschung für uns parat.
Trotz all dem, freuen wir uns auf eine warme Zwischen- und danach eine vielseitige Sommersaison in unserem schönen Alpendorf. Darum unbedingt schon die Wanderschuhe eintragen, das Bike in den Service geben, die Badehose bereit legen, denn schon bald geht es los!

 

 


 

 

 

Musikalische Handbremse gelöst

Schön, wenn Grössen wie Clyklass, Lovebugs, Züri West oder Troubas Kater zum diesjährigen Vogellisi-Festival finden. Noch besser, wenn zum Line-up auch Adelbodner gehören. So wie Andi Allenbach, Frontmann der Soulband ND Turn. Das «Turn» im Bandnamen steht für den ständigen Wandel im Leben des 35-Jährigen Multiinstrumentalisten. In einem Interview in der «Jungfrau Zeitung» beschrieb er sein musikalisches Engagement denn auch mit dem Motto «Die Handbremse lösen und nicht mehr nachdenken.»

Um die Handbremse gefahrlos lösen zu können, ist allerdings eine solide Basis erforderlich. So wurde Andi Allenbach im beschaulichen Adelboden geboren, um dann überall in der Schweiz zu wohnen. So hat er sich den Oberländer Dialekt zumindest teilweise erhalten, um nun auch englisch zu singen. So spielte er erst nur Schlagzeug, um sich dann Schritt für Schritt auch Trompete, Klavier und schliesslich Gitarre beizubringen. So bereitete seine musikalische Familie den Boden für spätere Einsätze in Chorprojekten, Bigbands und Rap-Combos.

Und wo führt es hin, wenn man die Handbremse löst? Erstaunlicherweise zurück zu den Wurzeln. Denn «Turn» heisst «Wende» oder «Kurve». Und wer sich zweimal wendet, blickt wieder heimwärts. Weite Kreise zu ziehen, bedeutet also immer auch, den Ausgangspunkt als Ziel mitzudenken. Also das Engstligtal. Und das Vogellisi-Festival.

Das Vogellisi wird vierfach flügge

Heute kann ich für einmal in eigener Sache schreiben: Frühling und Sommer gehören sowieso ganz dem Vogellisi. Da ist erstens das kürzlich erschienene Buch «Vogel Lisi – ein Naturmärchen» von Annemarie Stähli. Da ist zweitens das zugehörige Theater, welches die Oberländer Märlibühni in Steffisburg unter freiem Himmel aufführen wird. Da ist drittens die Vogellisi-Ballade, die der Frutiger Singer-Songwriter Trummer in diesem Rahmen komponiert hat. Und da ist zu guter Letzt noch das Vogellisi-Festival, das den Juli mit Perlen wie Züri West oder Troubas Kater bereichert.

Print, Theater und Konzertbühne: 2017 wird die bekannte Sagengestalt historisch verortet, melancholisch beschworen und mit einem Grossanlass gefeiert. Unsere Blog-Galionsfigur entwickelt also gerade eine überdurchschnittliche Eigendynamik in verschiedene Richtungen. Und genau so muss es auch sein. Wie ich schon öfters betont habe: Das Vogellisi verfügt nicht über eine fixe «Corporate Identity». Es gibt keine begrenzte Anzahl Merkmale, welche sie trennscharf kennzeichnen. Autor, Musiker, Blogger: Jeder erzählt die Geschichte der Kräuterfrau auf seine Weise, und jedes Mal gewinnt die Figur gerade dadurch an Kontur.

Und wenn das jemandem zu vage bleibt, kann er gerne noch eine weitere Version dazudichten.

… und alles Gute, Wanderer!

Letzte Woche habe ich den Transportunternehmen zu ihren runden Jubiläen gratuliert. Und dabei fast jene vergessen, die den Besuchern vor Ort die Richtung weisen: Den Verein Berner Wanderwege gibt es nämlich ebenfalls schon seit genau 80 Jahren. Auch dieses Fest tangiert mich persönlich. Nun ja, über 1600 Meter Höhe liegt derzeit teils noch zuviel Schnee. Aber ich bin bereit, meine Schuhe wieder zu schnüren.

Es ist schon interessant: Früher gingen nur die Armen zu Fuss. Heute fahren wir weite Strecken, um dann zu laufen. 4622 Kilometer signalisierten Wanderweg gibt es im Berner Oberland, alleine in Adelboden unterhalten die lokalen Wegmeister mehr als 200 Kilometer davon. Hunderttausende Franken investieren die Gastgeber jährlich in sichere Pfade, und tatsächlich ist das Risiko unterwegs äusserst kalkulierbar geworden.

Früher legten einem fehlerhafte Karten, ungenaue Wetterprognosen und ungesicherte Passagen Steine in den Weg. Heute müssen sich Wanderer noch mit Grundeigentümern, Bikern, Mutterkühen und Herdenschutzhunden arrangieren. Themen, die bei der Bewegung in der Natur noch ein gewisses Konfliktpotenzial haben, stammen also meist – aus der Kultur. Das ist gut. Denn ausserhalb der Zivilisation sollte es still bleiben.