Eindringling hereinspaziert

Heute wage ich mich auf ein kontroverses Terrain. Ich breche nämlich eine Lanze für Neophyten – also für Pflanzen, die bei uns eigentlich nicht heimisch sind. Diese Tage blüht zum Beispiel die Goldrute (Solidago) auf Wiesen und entlang von Strassen und Bächen. Das Gewächs stammt zwar ursprünglich aus Nordamerika, hält sich aber hartnäckig in der lokalen Flora.

Die meisten befürchten nun, Neophyten hätten einen negativen Einfluss auf die Biodiversität ihres neuen Lebensraumes. Es heisst, das Ökosystem verändere sich. Es entstünden wirtschaftliche Schäden. Es kämen Pflanzen, die Allergien auslösen. Das mag alles sein. Ich sehe das trotzdem differenzierter. Der heimische Ampfer (Placke) stört auf Oberländer Feldern auch. Der lokale Fliegenpilz ist ebenfalls giftig. Unser Efeu verdrängt andere Pflanzen im Wald genauso wie invasive Pflanzen. Fazit: Veränderung ist eine Bedingung vieler Ökosysteme.

Wer einen Blick in den eigenen Garten wirft, dürfte dort sowieso alles andere als nur urschweizerische Gewächse finden. Und wer einen Blick über den Gartenzaun wirft, erkennt: Selbst wir selbst waren und sind stets invasiv. In unseren Genen zeigt sich die Abstammung etwa von Burgundern und Alamannen, welche die Schweiz von Norden her besiedelten. Und hätten wir nicht wie alle Neophyten eine grosse Anpassungs- und Fortpflanzungsfähigkeit bewiesen, wären wir heute nicht mehr hier. Nicht zuletzt verändern auch Touristen das einstmals geschlossene «Ökosystem» der Alpentäler. Und wenn sie lange bleiben und immer wiederkommen, nennt man sie Stammgäste. Und nicht Invasoren.

Elektrisierende Erlebnisse

Eine Hass-Liebe verbindet mich mit dem guten alten Viehhüter. Marschiere ich an einem vorbei, kann ich es nicht lassen, kurz die Spannung am Elektrozaun zu prüfen. Natürlich halte ich dafür nicht direkt meine Hand darauf, sondern einen trockenen Gras- oder Strohhalm. So lässt sich der Stromschlag deutlich abschwächen.

Das geht auch anders. Als Kind zog ich den Draht eines Viehhüters einmal clever bis zu unserer Haustüre weiter, um ungebetene Gäste abzuschrecken (ein batteriebetriebenes Gerät kann bis zu 25 km Weideumfang unter Spannung setzen). Die Opfer meines Streichs liessen allerdings auf sich warten. Stattdessen suchte der Bauer stundenlang dem plötzlich defekten Zaun entlang nach der Fehlerquelle – bis er meine innovative Abzweigung entdeckte. Der Landwirt war gar nicht erfreut und wütete dafür mit der Sense im Kräutergarten meiner Mutter. Eigentlich auch etwas kindisch.

Item, der Viehhüter liess mich auch in der Folge nicht los. Beim Unterqueren versetzte er mir mehrfach schmerzhafte Stromschläge in den Rücken. Dafür war ich wiederum dankbar, als ich später einmal wegen einer Kuh in vollem Galopp hinter ihn flüchten konnte. Was mich gleich zum Fazit meines Tagebuch-Eintrags bringt: Es gibt viel Hochspannendes und Schützenswertes im Oberland. Die Frage, wer vor wem geschützt werden sollte und wo der Zaun vielleicht besser defekt bliebe, beantworte ich dann ein anderes Mal.

Im Land der Talismane

Mein Name bedeutet übersetzt «Sohn des Glücks». Insofern mache ich mir nie gross Sorgen, vom Pech verfolgt zu werden. Das muss aber auch niemand in Adelboden oder Frutigen. Hier wimmelt es nämlich nur so von Glücksbringern. Beispiele gefällig?

  • Da wäre einmal das vierblättrige Kleeblatt, das auf den hiesigen Weiden üppig gedeiht. Es soll besonders Reisende schützen, und es heisst, dass sein Besitzer ein Stück vom Paradies besitze. Na, wenn das nicht mal zwei schlagende Argumente für eine Feriendestination sind!
  • Und dann die Marienkäfer: Nur schon als Larve fressen die Insekten bis 3000 Läuse oder Spinnmilben. Da freut sich doch die lokale Landwirtschaft. Ausserdem sind die Winzlinge so knuffig, dass es keine Rolle spielt, wenn der krabbelnde Talisman gleich wieder in die Alpenluft entfleucht.
  • Apropos frische Luft: Dafür sorgt der Kaminfegermeister, und so einer wohnt in Frutigen. Ein weiterer Grund, glücklich zu sein. Jetzt nur nicht unter seiner Leiter durchgehen!
  • Aber gegen das Wandern ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Hier begegnen einem momentan vielleicht der Fliegenpilz oder die Mistel – ebenfalls zwei heisse Anwärter, um Fortuna auf unsere Seite zu ziehen.
  • Und wo wir schon im Wald sind, können wir uns auch gleich nach einer Hasenpfote umsehen. Hier sind die Anforderungen allerdings hoch: Besonders glücksbringend ist die linke hintere Pfote, und Meister Lampe sollte den Löffel möglichst an einem Freitag bei Vollmond und Regen auf einem Friedhof abgeben. Eigentlich kein Ferienprogramm.
  • Einfacher präsentiert sich die Sache da bei den Hufeisen: Wer sich eins über die Türe hängen will, soll sich einfach ans Pferdezentrum Frutigen wenden.

So, das wärs in etwa. In Sachen Glücksschwein empfehle ich noch ein Schnitzel auf Silleren. Nicht dass ich das nötig hätte. Aber so schmeckt das Glück eben.

Brunchhotspots: Schlemmen auf Adelbodens Hausberg

Inspiriert von den Bärnermeitschis begeben nun auch wir uns unter die „frühstückenden“ Blogger. Denn wie die Bundestadt, hat auch Adelboden eine Menge Brunch-Highlights zu bieten. Den Anfang machten wir im Bergrestaurant Tschentenalp. Im Sommer kann dort von 9.00 bis 11.30 geschlemmt werden. Leider erwischten wir einen nebligen und etwas trüben Sonntag, doch nach der kurzen fünfminütigen Bahnfahrt und dem Anblick des Buffets ging in unseren Schlemmerherzen die Sonne auf. Das Buffet des Tschentenbrunch bietet eine kleine, feine Auswahl an verschiedenen Borten, Gipfeli und Ankezüpfe, hausgemachte Marmeladen, Früchte und Fruchtsälfte und auch die Liebhaber deftiger Gerichte kommen mit Würsten, Fleisch und Käseplatte auf ihre Kosten.  Alles rund um das Ei kann bestellt werden und wird direkt in der Küche frisch zu bereitet. Ein Highlight waren der selbstgemachte Waldbeer- und Ananassmoothie. Auf der Tschentenalp steht Genuss und Gemütlichkeit im Vordergrund; hektisches Treiben oder gar Anstehen und Stau am Buffet sind hier Fehlanzeige.

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Unser Fazit: Alpiner Genuss in gemütlichem Ambiente mit bester Aussicht auf Adelbodens Bergwelt (ohne Nebel 😉 ), sehr aufmerksames Personal und Köstlichkeiten, welche mit viel Liebe hergestellt und aufgedeckt wurden. Das TschentenZmorge erfüllt alle Frühstückswünsche!

Abenteuer auf der Portaledge Teil 2

„Und jetzt noch einmal da hoch? Mit vollem Bauch? Na ganz toll!“ Das waren meine nicht ausgesprochenen Gedanken, als ich nach dem Nachtessen realisierte, dass die Übernachtung, das stundenlange Sein auf dieser schwindelerregenden Höhe auf einem hauchdünnen Stück Stoff, immer näher rückte, beziehungsweise direkt bevor stand. Während Pete das Nachtessen, oder auf jeden Fall das, was davon übrig geblieben war, sorgfältig zusammenpackte, realisierten wir, dass es langsam ernst galt. Ein letzter „Toilettengang“ in der wunderschönen Natur, Pijama (in diesem Fall wärmere Kleidung) anziehen, „Gstältli“ satteln, weitere Utensilien in die riesen Rucksäcke packen und los konnte es gehen. Um den Sonnenuntergang, der schon in vollem Gange war, auf der Portaledge mitzuerleben, mussten wir uns schon fast ein bisschen sputen. Zu unser alles Überraschung war der zweite Aufstieg schon viel flüssiger als der erste. Ich gebe zu, ganz so elegant wie bei Pete sah es bei uns immer noch nicht aus. Aber immerhin war ein Fortschritt zu sehen. Auch die Höhe und das Herunterschauen war nicht mehr dasselbe. Doch nach dem Aufstieg folgte die Portaledge-Besteigung Nummer 2. Doch auch diese erfolgte absolut cool und ohne zwischenzeitlich weiche Knie. Es fühle sich gut an. All dies war natürlich nur mit den Top-Anweisungen von Pete möglich. Zwei von uns dreien schafften es, schneller als die Sonne zu sein. Einer von uns jedoch, geniesste den Sonnenuntergang in den Seilen. Von beiden Perspektiven war es wohl wunderschön!

Sonnenuntergng
Danach wurden die Materialrucksäcke zur Portaledge gezogen. Ich durfte den Starken beim Aufziehen zuschauen und muss im Nachhinein sagen: Lucky me! Doch die nächste Herausforderung folgte auch für mich sogleich. Es galt sich nun auf dem schmalen Schlafplatz, auf welchem man ohne Unterbruch gesichert ist und nur eine Hälfte für sich hat, einzurichten. Das heisst: Mätteli auspacken, aufblasen, Schlafsack ausrollen, in den Schlafsack hinein gelangen und was sonst alles noch nötig war, um es sich so richtig gemütlich zu machen. Von aussen her betrachtet musste dies sehr amüsant ausgesehen haben. Auch wir hatten sehr viel Spass dabei, uns ständig aufs Neue eine Strategie auszudenken, wie man was am geschicktesten anstellen könnte. Immer wieder mussten wir unterbrechen auf Grund von vermehrten Lachausbrüchen. Zum Glück hat uns nur Pete zuschauen können. Ich denke jedoch, dass sich auch dieser dabei sehr amüsieren konnte. Es ist schwieriger als man denkt, soviel sei gesagt!
Einmal eingerichtet waren wir sehr erleichtert und genossen noch einmal die wahnsinnige Aussicht. Doch nicht lange und uns wurde mit dem Gaskocher, welchen Pete mit zu unserem Schlafplatz genommen hatte, Wasser gekocht und ein paar Minuten später genossen wir einen Kaffee inklusive „Schoggistängeli“. Wir waren immer wieder beeindruckt, wie gut ausgerüstet und organisiert dieser Mann war! Mmmmmmh und als wir dann auch noch leckere Kekse bekamen, fühlten wir uns pudelwohl auf unserer Portaledge.
Es war dunkel geworden. Es wurden noch ein paar Worte gewechselt, doch bald kehrte Stille ein. Jeder genoss für sich diese aussergewöhnlichen Momente. Noch einmal dachte ich über den vergangenen Tag nach, was alles passiert war und wo wir uns jetzt befanden. Mein Blick war zu dem Sternenmeer über uns gewandert, da von der wunderbaren Aussicht, die wir bei Tageslicht genossen, nicht mehr ganz so viel zu sehen war. Die Atmosphäre, die Momente und die Gefühle und Gedanken… All dies ist absolut unbeschreiblich.
Man hörte die Kuhglocken, welche unter uns bimmelten. Langsam aber sicher fielen mir die Augen zu. Ich hoffte, dass ich nicht jedes Mal wenn ich mich bewegte, jemanden störte. Doch sehr bald, schlief ich ein.

Nachtstimmung
Nun normalerweise gehört das Aufwachen nicht zu meinen Lieblingsteilen an einem Tag. Es erinnert mich meist an alles, was zu erledigen wäre, was man alles müsste und sollte und überhaupt! Einschlafen, das ist es, was ich liebe. Alles vergessen. Wissen, dass an diesem Tag keiner mehr etwas von dir will. Entspannen. Augen schliessen und friedlich das Einschlafen geniessen.
Dass mich in der Nacht vom Samstag auf Sonntag das pure Gegenteil erwarten würde, hatte ich nicht erwartet. Auf jeden Fall nicht ganz. Aber ich wäre viel lieber noch viel länger wach geblieben um das Erlebnis zu geniessen und auf mich wirken zu lassen. Ein vergleichbares Aufwachen gibt es jedoch trotzdem wahrscheinlich nicht. Die Sonne kitzelte mein Gesicht und ich öffnete langsam meine Augen. Und da war sie wieder: eine Aussicht wie aus dem Bilderbuch. Und zwei Gesichter, die schon lange wach schienen. Ich wurde begrüsst mit den wunderbaren Worten: „Guten Morgen, das Beste hast du verpasst!“ Na toll, ich hatte so gut genächtigt, dass ich doch gleich den Sonnenaufgang verschlafen hatte.

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Unglaublich! Wie kann man so etwas nur verpassen. Jedoch ärgerte ich mich nicht lange. Auch als ich früh morgens aufwachte, war der Morgen noch sehr jung und wunderschön. Bald wurde uns ein weiteres Kaffee mit „Schoggistängeli“ serviert. Wir setzten uns hin und kamen gleich wieder ins Gespräch. Langsam bemerkte ich jedoch: Meine Blase war halb voll und nicht mehr leer. Also warf ich die Frage in die Runde, wann der Abstieg folgen würde, auch wenn ich in diesem Moment sehr sehr viel für eine leere Blase gegeben hätte. Jedoch liessen wir uns nicht stressen. Noch einmal genossen wir das Sein in der Felswand in vollen Zügen.
Später ging es dann doch langsam um den Abstieg. Das Zusammenräumen erfolgte etwas geschickter als das Einrichten (wir scheinen lernfähig zu sein). Ich war als erstes dran, mich wieder in Richtung festen Boden zu bewegen. Schweren Herzens seilte ich mich also ab, wo ich die beiden Materialrucksäcke entgegennahm. Danach folgten unsere Schlafgelegenheiten und zu guter Letzt gesellte sich auch Pete zu uns. Wieder festen Boden unter den Füssen zu haben war ein spezielles Gefühl. Sich bewegen zu können wie und wohin man wollte und ohne Angst, dass etwas in die Tiefe stürzen konnte, wenn man es nicht gut festhielt. Dies würde jetzt wieder Normalität werden. Leider.
Wir packten unsere Rucksäcke um, legten unsere Portaledge zusammen und schon ging es daran, sich wieder Talwärts zu bewegen. Doch nicht so schnell. Zuerst genossen wir noch ein sehr schmackhaftes „Z’morgä“ mit einem Ausblick auf die andere Seite. Atemberaubend. Den „Z’Morgäplatz“ durften wir selbst wählen. Und wieder wurden wir von Pete verwöhnt: Müesli, Fruchtsaft, „Schoggistängeli“, Kaffee und und und.

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Von diversen Wanderern wurden wir gefragt, ob wir hier Übernachtet hätten. Diese staunten nicht schlecht, als wir ihnen erklärten wo genau wir geschlafen hatten. Mit vollen Bäuchen machten wir uns dann später endgültig auf den Heimweg. Wir trugen unser Material zurück zum Auto. Nachdem wir viel gegessen und getrunken hatten, war das Gewicht etwas weniger. Der Abstieg war dem entsprechend etwas einfacher als der Aufstieg. Beim Auto angelangt luden wir alles ein und dann ging es los in Richtung Frutigen. Pete stellte uns bis zum Märitplatz, wo wir danach gleich in den Bus einsteigen konnten.

Dank Pete durften wir eine ganz neue, aufregende, nicht ganz alltägliche und wunderschöne Erfahrung machen. Dieses Erlebnis ohne doppelten Boden werden wir nie mehr vergessen.
Willst auch Du neue Eindrücke, die Dir für immer in Erinnerung bleiben werden, sammeln? Dann denk nicht zu lange drüber nach! Weitere Infos findest Du unter:
http://www.alpinschule-adelboden.ch/portaledge