Wer kennt ihn noch,den Sirupbrunnen?

Ein ewiger Kampf war es, mich in meiner Kindheit zum Wandern zu bewegen. Zu langweilig war das Marschieren, zu schleppend ging die Zeit jeweils vorüber und überhaupt hatte alles andere mehr Unterhaltung zu bieten.
Bis auf eine einzige Route in Adelboden. Nicht, dass sie kurz oder ohne Anstrengung gewesen wäre, nein: Der Wanderweg lockte mit einem Sirupbrunnen, den wir als Kinder liebten. Den Brunnen gibts heute noch, Sirup leider keinen mehr,doch die süsse Erinnerung daran bleibt. Ich wär für ein Revival!

Kräutersammeln für Dummies

Was das alte Vogellisi kann, kann ich schon lange. Gut, ich verfüge über kein mentales Lexikon für Heilpflanzen. Ich habe keine Ahnung, wie Johanneskraut, Beifuss oder Giersch eigentlich aussehen. Ich würde Echtes Labkraut nicht einmal erkennen, wenn es bis zu meiner Wohnung im zweiten Stock hinauf wuchern würde. Aber das muss ich auch gar nicht. Manchmal sind es banale Unkräuter, die einem weiterhelfen.

So fehlt mir auf Vogellisis Spuren zum Beispiel die Kondition der rüstigen Dame – zack, schon zwickt’s im Bein. Da hilft das krampfstillende Gänseblümchen am Wegesrand. Kurze Zeit später stösst mir das Frühstück sauer auf – der Frischkäse war doch nicht mehr so frisch. Gut, wirkt die Brennnessel an der Böschung auch bei Magen- und Darmproblemen. So, jetzt wird die Kräuterexpedition aber richtig anstrengend. Der Atem rasselt, die Kehle brennt. Immerhin windet sich dort Efeu die Tanne hinauf: Nützlich bei Katarrhe der Luftwege und entzündlichen Bronchialerkrankungen. Es wird Abend, und am Waldrand stürzen sich die Mücken auf mich. Da kommen nun zerriebene, abschwellende Blätter vom Spitzwegerich zum Einsatz.

Wieder zu Hause, scheine ich dem Vogellisi ein ganzes Stück nähergerückt. Jetzt nur noch einen Schafgarbentee gegen meine furchtbar geschwollenen Füsse. Und dann ein bisschen Radio RaBe hören.

Mit dem Green versöhnt

Ich hielt mich schon für ziemlich hip als Cross-Golfer. Als Urban-Golfer. Als Offroad-Golfer. Zusammen mit drei Kollegen hatte ich mir zuvor ein altes 6er-Eisen gekauft, einige Bälle beim nächsten Golfplatz geklaut und mir eine technische Schnellbleiche verpasst. Und dann wollten wir die weissen Kugeln fliegen lassen – in der Kiesgrube, im Wald, auf dem Fussballplatz, im Steinbruch oder auf der Schafweide. Ich hielt mich schon für ziemlich alternativ, weil wir mit den geschniegelten Spielern der etablierten Golfplätze so wenig gemeinsam hatten: Kein Dresscode, kein vorgegebenes Loch, kein Handicap und keine Ahnung, wie man richtig abschlägt.

Die Jahre vergingen, und bald war ich der einzige unserer Gruppe, der noch gelegentlich zum 6er-Eisen griff. Dafür weitete ich meinen Aktionsradius aus und probierte, wie sich Golf in den Bergen anfühlt. Die Bälle wurden nun mit immer noch miserabler Technik vom Weg aus abgeschlagen. Wenn dabei ein Wanderer auftauchte, drehte ich meinen Schläger um und tarnte ihn so als Spazierstock (weil ich dachte, «so etwas macht man in den Alpen nicht»). Item. Vom Jura ins Innereriz, über die Rosenlaui-Schlucht und die Grosse Scheidegg bis ins Engstligtal führte mich meine einsame Cross-Golf-Route. Und dort, auf der Engstligenalp, entdeckte ich schliesslich, dass ich nicht alleine bin. Und dass die Golfspieler auf der Hochebene wissen, wie man zwischen Felsen und Bächen richtig abschlägt. Und dass sie es einem sogar zeigen. Und schliesslich, dass es in Ordung geht, vor dieser Kulisse an seinem Handicap zu arbeiten.*

*Am 10. September gehts wieder los mit Golfmountain auf der Engstligenalp.

Heimat in der Ferne

Dass man auf Schweizer Autobahnen öfters mal einem blauen „Adelbodner“- LKW begegnet, am Zürcher HB auf Menschen mit einem Weltcup-Tschäppel trifft, oder an der Scheune eines Emmentaler Bauernhofs eine Adler Adelboden Blache entdeckt, das sind sich die Lohnerdörfler gewohnt. Auch, dass Adelboden dank dem Chuenisbärgli fast weltweit in aller Mund ist, habe ich bereits selber festgestellt. Allerdings überraschend: Adelbodner Mineralwasser mitten in Deutschland. Dies freut das Vogellisi-Herz besonders und lässt es einmal mehr feststellen: die Heimat, fern und doch immer wieder näher, als man denkt.

Die Stimmung steigt

Ich singe gern beim Wandern. Wenn der Weg weit ist, gibt er auch der Musik viel Raum. Zudem wandere ich gern alleine – falsche Töne bleiben also meist ungehört. Gut, beim Aeugi-Lowa-Weg vom Hahnenmoospass zur Engstligenalp musste ich öfters leer schlucken, und das Singen ging wohl eher Richtung Stossgebet. Ja, ich gebe es zu: Sobald der Wanderweg blau-weiss und allzu ausgesetzt wird, könnte sich ab zu und zu eben ein Zittern in meine Stimme schleichen.

Aber das ist noch gar nichts. Denn das Ganze lässt sich ja beliebig steigern: Man kann in Adelboden schliesslich klettern statt wandern, man kann in grosser Gruppe klettern statt alleine, man kann in grosser Gruppe im Dunkeln klettern statt am Tag, und man kann sogar in grosser Gruppe im Dunkeln zu lauter Musik klettern statt zu singen. Die letzte Variante dürfte einigen schon bekannt sein: Sie findet am 22. August auf Silleren statt und heisst Höi-Turm-Party. Im Dunkeln in grosser Gruppe zu lauter Musik klettern – wenn hier einer der männlichen Gäste leer schluckt, liegt es aber vielleicht eher an DJ Tanja la Croix. Die lief früher schliesslich als Model auf internationalen Laufstegen. Wohl ohne zu zittern.