Feuer und Wasser

Ich habe am 1. August Geburtstag. Klar meinte ich als Kind, all die Feuer, Raketen und Vulkane des Nationalfeiertags würden einzig zu meinen Ehren angezündet. Mittlerweile ist zwar etwas Ernüchterung eingekehrt, die Faszination von Flammen und kleinen Knallern hält aber ungebremst an. Ich kann zwar die Nationalhymne nicht auswendig, bin aber ziemlich sicher, dass das «Sternenmeer» und das «Abendglühn» in den ersten beiden Strophen auch von Bengalos oder Böllern am Nachthimmel stammen könnten. Umso besser, hat das Regierungsstatthalteramt das generelle Feuer- und Feuerwerksverbot im Verwaltungskreis Frutigen-Niedersimmental wieder aufgehoben. Dank der starken Regenfälle dürfte die Bundesfeier so auch im Engstligtal nicht nur feucht-fröhlich, sondern auch heiss ausfallen.

Ich will die heftigen Niederschläge der letzten Tage nicht schönreden – haben diese doch gerade in Adelboden einigen Schaden angerichtet. Aus Sicht des Hobby-Pyromanen hingegen hat das Wasser aber halt auch sein Gutes: Paradoxerweise sorgt mehr nasses Wetter auch für mehr trockene Lunten bei den Feierlichkeiten in der Destination, und je mehr vorher runterkommt, desto mehr wird anschliessend wieder raufgeschossen. Feuer und Wasser – les extrêmes se touchent.
Und ich persönlich nehme mir jedes Jahr vor, kein Raketen mehr zu starten und mich einzig an die flüssige Verpflegung zu halten – bis mir jemand ein Feuerzeug in die Hand drückt mit den Worten: «Happy Birthday!»

Das Fenster zu fremden Welten

Die Welt des Films hat mich schon immer fasziniert. Eigentlich will ich gar nicht so genau darüber nachdenken wie viel Lebenszeit ich nicht in meiner, sondern in einer anderen, viel spannenderen, lustigeren, dramatischeren Realität verbracht habe. Die Antwort könnte ich wohl nicht guten Gewissens sagen. Und doch bereue ich, von einigen schlechten Filmen mal abgesehen, keine einzige Minute davon. Über die Jahre hat meine Begeisterung für dieses Medium nur noch weiter zugenommen. Doch ihren Ursprung hat diese Faszination zweifellos in Adelboden gefunden – genauer an der Landstrasse 18, wo seit über 50 Jahren das Ciné Rex steht.

Ich verbinde so viele Erinnerungen mit diesem Ort. Wie neidisch ich immer auf meine Freundin war, die während der Schulzeit dort gearbeitet hat und deshalb jeden Film gratis sehen konnte. Ich hingegen hortete unzählige kleine gelbe Kinogutscheine, die ich immer von meinem Grosseltern zum Geburtstag und Weihnachten bekam. Jedesmal musste sorgfältig abgewogen werden für welche Filme ich sie ausgeben wollte. Und wenn eine Investition als gut befunden wurde ging man am nächsten Tag gleich nochmal in den selben Film. Wie verwegen wir uns immer gefühlt haben als wir, statt auf den roten Samtsesseln, ganz hinten auf dem „Bödeli“ neben dem Projektorraum Platz genommen haben. Denn eigentlich war es ja nicht erlaubt, das wurde zumindest immer getuschelt. Aber man konnte dort liegen, sich ausbreiten und das ganze Kino überblicken. „The best seat in the house“ sozusagen!

Heute bevorzuge ich die weichen Sitze, denn um ehrlich zu sein war der „Bödeli-Boden“ doch ganz schön hart. Und auch wenn ich heute Filme lieber in der Originalfassung schaue und deshalb eher selten hier bin, fühlt es sich für mich jedes mal an wie nach Hause kommen. Ich habe bereits viele Kinos gesehen, aber keines gefällt mir so gut wie das gute alte Rex. Vielleicht ist es Nostalgie, vielleicht auch nur die Airbrushabbilder berühmter Schauspieler, die einem jedes mal willkommend zulächeln, aber dieser Ort strahlt Persönlichkeit aus. Wer also dem schlechten Wetter, der Hitze, oder einfach nur für ein paar Stunden der Realität entfliehen möchte sollte sich hier eine Kinokarte kaufen.

Bildcredit: http://cine-rex.ch/

„Dr Himmel brennt“ – Sonnenaufgang auf dem Bunderspitz!

“Man muss durch die Nacht wandern, wenn man die Morgenröte sehen will” – Khalil Gibran (1883-1931)

Morgenstund hat bekanntlich Gold im Mund. Goldig ist auch der Anblick eines Naturspektakels, das Adelboden immer und immer wieder zu bieten hat: der Sonnenaufgang auf dem Bunderspitz, zwar längts kein Geheimtipp mehr, aber dennoch, immer und immer wieder atemberaubend.

So schwer die Beine morgens um Vier sind, so kalt die Nase vom frischen Morgenwind auch sein mag, die Genugtuung, auf dem Gipfel zu stehen und zu bestaunen, wie sehr der Himmel brennt, entschädigt jegliche Strapazen und die Überwindung aufzustehen.

Darum,weil es so schön ist: bitte immer und immer wieder!

Raclette im Sommer!?

Fast zuhinterst im Tal steht es, das beschauliche Alphüttli. Es duftet nach frischem Gras, warmem Sommerregen, nach Wald. Ruhig, abgeschieden und friedlich erscheint die Kulisse, man hört das Rauschen des Baches und der Bütschifälle. Die letzten Sonnenstrahlen lassen die Felswände glühen. Die perfekte Location also, für einen Sommerabend “am Bärg”. Für einen Freitagabend, der aufs Wochenende einstimmen soll. Für einen Racletteabend.

Nichts könnte besser zu einem solchen Abend passen, als ein Raclette. Dass ich dies jemals selbst behaupten würde, hätte ich wohl vor einer Woche noch nicht unterschrieben, doch ich wurde gänzlich vom Gegenteil überzeugt:

Nach ganz urtümlicher Art wurde das Raclette zubereitet. Der frische Käselaib wurde halbiert und so nahe ans offene Feuer gelegt, dass dieser langsam zu schmelzen begann. Da bei wird er nicht nur geschmolzen, sondern gleichzeitig auch geräuchert und gegrillt.

So entstand der unverwechselbare Geschmack eines “echten” Raclettes, der kaum besser in diese unvergleichbare Kulisse gepasst hätte.

Fazit: So authentisch mir Adelboden an diesem Abend auch vorkam, so sehr stellte ich auch fest, dass das Vogellisi in mir noch nicht ausgelernt hat.

Das blühende Leben

Eine wunderliche Welt im Wechsel ist der Sommer. Da werden in Adelboden Tunnel geputzt, Häuser renoviert oder gleich abgerissen und neue Bergbahnen gebaut. Wer die Aufbruchsstimmung etwas natürlicher mag, sollte seinen Blick aber lieber mal auf die Wiesen und Matten der Region werfen. Die Frühlingsflora wartet dort mit Gewächsen auf, deren Blütenpracht nur noch von den lieblichen Namen übertrumpft wird. So gedeihen am Wegesrand etwa das «Tausendschönchen», das «tränende Herz», der «Elfenschuh» oder das «Frühlings-Adonisröschen». So schön, so gut.

Doch die Natur kann auch ganz anders. Deutlich merkwürdiger klingen nämlich bereits Blumennamen wie die «Forellenlilie», die «Teppich-Golderdbeere» oder der «Wunderlauch». Auch der «kriechende Günsel» schafft es wohl nicht in die Top 10 der wohlklingendsten Pflanzenarten. Wenn schliesslich gar abstossende Namen wie «filzige Pestwurz», «Warzenwolfsmich» oder «Fieberklee» fallen, wünscht sich manch einer wohl den Schnee zurück, um diese widerlichen Auswüchse aus dem Blickfeld zu tilgen. Dabei sind doch eigentlich nur die Bezeichnungen widerlich, die Blumen selbst wären eine Augenweide. Die spinnen halt, die Botaniker.