Grüne Weihnachten

Erst wollte ich mir weissmachen, dass der rare Schnee in Adelboden-Frutigen ein Problem sei. Dann dachte ich über all die Wiesen und Tannen und Algen und Moose nach und erkannte: Grün ist eigentlich unproblematisch, mit Grün funktioniert es auch. Denn grünes Licht macht nicht nur an der Ampel Freude, sondern kann sich gar zur grünen Welle aufschaukeln. Also, alles im grünen Bereich: Gepflegter Rasen produziert mehr Sauerstoff als Wald. Eine grasgrüne Fläche von 500 m² beatmet so locker eine vierköpfige Familie. Alleine Kolumbien exportiert jedes Jahr Smaragde im Wert von 150 bis 400 Millionen US-Dollar.

Wer grüne Augen hat – und das sind nur etwa zwei elitäre Prozent der Weltbevölkerung –, kann sich mit Attributen wie «mutig», «leidenschaftlich», «geheimnisvoll» oder «gesellig» schmücken. Im Christentum schliesslich ist Grün die Farbe der Auferstehung, und Grün ist auch die Farbe des Islam sowie das chinesische Lebenssymbol.

In diesem Sinne: Grüne Weihnachten hat in vielerlei Hinsicht einiges zu bieten. Suchen Sie sich doch was aus.

150 Jahre

Und Entschuldigung, aber ich kanns im Moment fast nicht mehr hören: Das ganze Land plappert derzeit über das runde Jubiläum des Schweizer Wintertourismus. Wenn Dir 50 Leute auf 100 verschiedene Arten erklären, dass etwas 150 Jahre alt ist, treten naturgemäss Ermüdungserscheinungen auf, und die Aufmerksamkeit erschöpft sich in einem matten Nicken – besonders, wenn man selbst zu diesen 50 Leuten gehört. Und gut, es gäbe ja immerhin noch vieles am Rande zu entdecken, zahlreiche Nebenschauplätze für fesselnde Berichte warten auf die Feder: Etwa dass der Wildstrubelgletscher 1864 noch etwa 500 Meter länger war als heute. Oder dass das Hickory-Holz der ersten Ski hierzulande zu den Walnussgewächsen gehört und bereits im 19. Jahrhundert nur noch in Nordamerika vorkam. Alles ganz interessant.

 Und nein, ich will kein Spielverderber sein. Es gibt natürlich grundsätzliche, historische Fragen, die das Jubiläum aufwirft und die irgendjemand irgendwo irgendwie sicher auffangen sollte. Wer war der erste? Wo gings am schnellsten? Was kam am Anfang? Warum gerade hier? Wie lief die Entwicklung? Fragen über Fragen, die andere an anderer Stelle besser beantworten können. Aber wenn ich hier noch meinen Senf hinzubloggen darf, dann doch eher mit der Feststellung: Was 150 Jahre dauert, hat immerhin Konstanz bewiesen, Zähigkeit, Widerspenstigkeit, Widerstandsfähigkeit. Ein gewisser Trotz gegenüber eisigen Hindernissen und winterlichen Mühsalen. Wer wieder aufsteht, ist vorher nämlich wahrscheinlich hingefallen. Wer springt, musste sich vorher bücken. Wer gleitet, brauchte vorher oft einen gutgemeinten Schups von hinten.

 Und ja, auch ich komme an dieser Stelle wieder mit historischen Beispielen dieser Widerstandskraft – es sei mir als einer der 50 Leute (siehe oben) verziehen. In einem Moor beim schwedischen Ort Hoting ist ein 4500 Jahre alter Ski gefunden worden. Man darf annehmen, dass der Besitzer damals sicher ordentlich geflucht hat, als er ihn verlor, dass er dann aber nach Hause zurückkehrte und sich eine neue Latte zimmerte. Die Nachbauten seines Geräts gleiten heute rund um den Planeten. Im WM-Training tausende Jahre später stürzte der Skifahrer Fred Rubi. Seine schwere Rückenstauchung hielt ihn aber nicht davon ab, sich alsbald zum Adelbodner Kurdirektor wählen zu lassen und die internationalen Rennen in Adelboden zu gründen.

Und ok, ich gebe es zu, solche Wintergeschichten höre ich immer wieder gerne.